Paul Evander Lorenz

Vom Heilwissen zur Heilkraft

Zwölf Erlebnisvorträge


Erster Vortrag

Sinn des Lebens
- noch nie war es so einleuchtend

Der Mensch hat eine körperliche und eine seelische Existenz. Sein Menschsein findet an der Nahtstelle von Materie und GEIST statt. Sich darüber bewusst zu werden, wirft ein anderes Licht auf Arbeit, Beziehung, Krankheit und das gelebte Leben.
Dieser Vortrag folgt einem polaren Gegensatz-Verständnis:

Was Materie ist, ist nicht GEIST und was GEIST ist, ist nicht Materie.

Der Vortrag ist als fraktale Analogie aufgebaut: das Nicht-Verstehbare erschließt sich über die Analogie zum Verstehbaren, das Nicht-Kausale in Analogie zum Kausaslen, und das über alle Ebenen hinweg. Wie oben, so unten. So wird der gesamte Zusammenhang deutlich: Kósmós - Materie - Geist - Körper - Seele - Ego - Selbst - Ich - Du - Gott.

Wer bin ich?

Mit folgender Grundhypothese wird zugleich die Basis für alle weiteren Vorträge gelegt:

In diesem Universum gibt es nichts,
was keinen Sinn macht, und nichts,
was nicht folgerichtig wäre.

Das gilt unabhängig davon,
ob wir den Sinn verstehen
oder die Folgerichtigkeit erkennen.

 


Zweiter Vortrag

Dynamische Stabilisierung
- Evolution des Lebendigen

Nachdem im ersten Vortrag der Zusammenhang von Materie und GEIST dargestellt wurde, wird hier Materie in Frage gestellt. Die Welt ist nicht aus Teilchen zusammengesetzt, sie ist die ständige, lebendige Balance eines instabilen Gleichgewichts. Es gibt keinen Urknall - es knallt die ganze Zeit. Schwingungen sind nicht begrenzt auf den Ort, wo sie schwingen, sondern sie haben Ausläufer bis ins Unendliche.

„Natur hat weder Kern noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male.“

Johann Wolfgang von Goethe

Wir wählen den Einstieg über die Unterscheidung von Realität und Wirklichkeit. Realität (von lat. res: das Ding) basiert auf Dualität, einer Subjekt-Objekt-Spaltung. Die wissenschaftliche Sprache ist stark „verdinglicht“. Wirklichkeit hingegen ist Potentialität, Staunen, Nichtwissen, ist etwas, wofür wir (noch) keine Begriffe haben.

Wirklichkeit versus Realität

Hans-Peter Dürr, Nachfolger von Werner Heisenberg und Träger des alternativen Nobelpreises, hat fünfzig Jahre über Materie geforscht und festgestellt: „Es gibt sie gar nicht.“ Er machte aus seinen quantenphysikalischen Erkenntnissen eine Friedensbotschaft, setzte sich geradezu prophetisch für die Differenzierung und Kooperation des Unterschiedlichen, für die widerspruchsfreie Vereinigung von Gegensätzen ein.

Erst mit einer geglückten Heilung erreichen wir die nächsthöhere Stufe des Lebendigen. Wie kann ich ein System unterstützen, damit es eine neue, höhere Balance finden kann?

Schauen wir konsequent auf die gesamte Kaskade instabiler Balancen, von tiefsten Quantenzuständen bis hinauf zum komplexen Menschsein, so gelangen wir an der Schwelle zu unserer Höherentwicklung zu einer wahrhaft ergreifenden Frage, mit der wir zugleich unserer Bestimmung näher rücken:

„Welchen Gegensatz wirst du in dir vereinen?“

 


Dritter Vortrag

Embryologie
- Wie der Mensch Mensch wird

Der Vorgang der Inkarnation – oder: gibt es ein Leben nach der Geburt?

Nachdem das Konzept von Materie im zweiten Vortrag in Frage gestellt wurde, schauen wir auf den Vorgang der biologischen Menschwerdung – phänomenologisch, das heißt der Erscheinung nach. Dabei werden ein paar lehrbuchmäßige Vorstellungen aufgeräumt. Schöpfung ist nicht machen, es ist einladen. Schöpfung zwingt nicht, sie ermöglicht.
Wenn bei der Konzeption („Befruchtung“) Bewegung und Beharrung aufeinandertreffen, geschieht das Wunderbare: die Verkörperung (Inkarnation) des Menschen in sein einzelliges Stadium.

Bis eine werdende Mutter bemerkt, dass sie schwanger ist, haben wir als Embryo bereits mehrere existentielle Krisen durchlaufen, weitere folgen.

Die biologische Menschwerdung ist ein lemniskatischer Prozess. Das ist diejenige Bewegung, die aus der Vermittlung von Gegensätzen eine Mitte, unser Sein, entstehen lässt.

„Eizelligkeit“
„Samenzelligkeit“

Auch dieser Vortrag spielt mit polaren Gegensätzen, zeigt mit Videobeispielen das Wesen von „Eizelligkeit“ und „Samenzelligkeit“ auf und wie sich das im Frau- und Mannsein fortsetzt.

Wollen wir heilerisch tätig sein, so sind Einblicke in die Tiefe dieser existenzbegründenden und existenzgefährdenden Vorgänge geradezu notwendig.

„Der Körper
entwickelt sich aus uns,
nicht wir aus ihm.“

Rumi

 


Vierter Vortrag

Sympathikus - Parasympathikus
- das autonome Nervensystem

Nachdem wir uns die biologische Menschwerdung als Ganzes angesehen haben, geht es nun in die Details. Sympathikus und Parasympathikus sind Teile des autonomen Nervensystems. Die natürliche Regulationsfähigkeit und eine ausgeglichene Balance beider Gegenspieler sind von vielfältiger Bedeutung. Bei Gelassenheit, Begeisterung, Stress, Verdauung, Schlafrhythmus, Blutdruck und bei vielerlei komplexen Erkrankungen ist das autonome Nervensystem im Spiel – ob wir das wollen oder nicht.

Wird die natürliche Regulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems belastet, was häufig schon in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in der Kindheit vorkommt, haben wir es mit lebenslangen Folgen zu tun.
Dieser Vortrag ist die Fortsetzung des Embryologie-Themas in unser Erwachsenensein hinein.

Stress und Trost:
Wo kann ich mich lassen?

Obwohl das autonome Nervensystem einer willkürlichen Steuerung nicht zugänglich ist, lohnt sich der Einblick in die uns persönlich betreffenden unwillkürlichen Vorgänge, insbesondere in die Folgen von Stress und Traumatisierungen. Dazu gibt es neuere Theorien. So verstehen wir die tiefen Gründe für viele Krankheiten und komplexe Syndrome, die sich an der Oberfläche zeigen.

In Übungen schauen wir auf den Zusammenhang von Parasympathikus, Körperkontakt und Atmung.

Wir leben in einer insgesamt gestressten Gesellschaft. Das meint nicht nur Alltagsstress, sondern auch historische, generationenübergreifende Stressbelastungen (zum Beispiel aus Industrialisierung und aus Kriegen). Das derzeitige menschliche Miteinander in der industrialisierten Welt basiert in einem viel zu hohen Maß auf Unkontakt.

Wenn Trost nicht möglich ist,
können Ängste nicht bewältigt werden.

 


Fünfter Vortrag

Was Organe sagen
- Körpersprache - Seelensprache

Das gesamte Gesundheitswesen ist geprägt von einem die Symptome bekämpfenden Rehabilitationsdenken – die Gesundheit soll wieder hergestellt werden (den Normen entsprechen). Krankheit im spirituellen Sinne zielt jedoch auf den Durchbruch zu einem neuen Sein, zu dem man ohne diesen Krankheitsimpuls nicht gelangen würde. Doch wie können wir die „Sprache“ des Körpers und seiner Organe verstehen? Mit welcher Art von Logik drückt sich die menschliche Seele in Körpersymptomen aus?

Jeder kennt zum Beispiel die Sinnsprüche des Volksmunds, die seit jeher seelische Themen mit körperlichen Organen verbinden:

„Dir ist wohl eine Laus über die Leber gelaufen.“
„Ich habe etwas auf dem Herzen.“
„Das ist mir auf den Magen geschlagen.“
„Das geht mir an die Nieren.“
„Da kriege ich einen Hals.“
„Das geht mir nicht aus dem Kopf.“
„Ich kann es nicht mehr sehen.“

Doch haben wir die Konkretheit solcher Zusammenhänge aus den Augen verloren. Zu Beginn sind die (An-)Zeichen, die uns an unsere Entwicklung gemahnen, gering, doch wenn man sie verkennt, tauchen sie (um ein Vielfaches stärker) erneut auf, bis hin zu unausweichlicher Schicksalsschwere. Wir kämpfen dann zum Beispiel gegen den Krebs. Aber wofür kämpfen wir?

Mit Hilfe von System- und Familienaufstellungen können wir den Symptomen mittels sich einfühlender Stellvertreter eine konkrete Ausdrucksmöglichkeit verleihen, die Psychosomatik entschlüsseln – eine phänomenologische Arbeit.

das „Thema“ einer Erkrankung

Solange das „Thema“ einer Erkrankung nicht erkannt wird, ist zwar eine Behandlung, nicht jedoch eine Heilung möglich.

„Eine Heilung, ohne dass der Sinn
des Lebens betrachtet wird,
wird es nicht geben.“

Max Bänziger

 


Sechster Vortrag

Das limbische System
- vom Denken, Fühlen, Handeln

Einem wichtigen Teil unseres Gehirns auf der Spur. Unsere Wahrnehmung, unsere Gefühle und Handlungen sind von den Prägungen und Gewohnheiten in unserem limbischen System beeinflusst.

Betrachtungen über das limbische System sind ein Schlüssel zum Erkennen von Vorgängen, die an der Grenze zwischen nicht-bewusstem und bewusstem Sein stattfinden. Die Leistung des so genannten Emotionalgehirns ist weit größer, als wir für gewöhnlich annehmen, dessen Bedeutung umfassender als wir uns das vorstellen.

Macht der Gewohnheit

Prägungen sind Ersteindrücke, die vom Säugling unselektiert, unreflektiert und unbewertet aufgenommen und gespeichert werden. Die daraus resultierenden Wahrnehmungsmuster, Sichtweisen und Weltsichten sind uns zum großen Teil unbewusst, lenken jedoch unser Denken, Fühlen und Handeln. Solche Muster, förderliche wie hinderliche, werden als soziales Erbe von Generation zu Generation weitergegeben. Das wollen wir uns bewusst vor Augen führen. Hier finden wir die Verkettung von originärem Trauma (in der ersten Generation), übernommenem Trauma (in der zweiten Generation) und Charakterstruktur (in der dritten Generation).

wie Prägungen unsere Wahrnehmung prägen

Im Alltagsleben spielt das limbische System eine bedeutende Rolle. Es bringt primäre Emotionen hervor (wie Angst, Trauer, Ekel, Begeisterung, Verliebtheit), die sich auf den gesamten Organismus auswirken, nimmt es doch Einfluss auf unser endokrines System und damit auf körperliche Zustände wie Blutdruck, Müdigkeit, Hunger.
Wenn das limbische System Belastungen nicht verkraften kann, gibt es Stressmuster an den Körper und die Organe ab, die dann (Krankheits-)Symptome produzieren.

Auf dem Erkenntnisweg kommt man nicht umhin, sich mit dem limbischen System zu befassen.

 


Siebter Vortrag

Sehen und Sein
- wie Wahrnehmung geschieht

Das menschliche Sehen geschieht nicht nur mit unseren Augen, sondern wesentlich mit unserem Gehirn. Es ist ein zutiefst virtueller Vorgang. Während über Erkenntnis zu reden abstrakt bleibt, wählt die Beschäftigung mit dem Sehen das Konkrete – Sehen, Sichtweise, Schau.

So habe ich das noch nie „gesehen“.

Sehen ist nicht gegeben, es muss erworben werden. Die Sehentwicklung geschieht über verschiedene Phasen, die interessanterweise mit den Phasen der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen einhergehen. Es ist ein lebenslanger, dynamischer Zustand des Tuns und des Seins. Mit zentralem und peripherem Sehen hat es polare Wesensqualitäten. Sehen ist sowohl Selektion als auch Projektion.

Wieso ist Sehen eigentlich selbstverständlich?

Meist gehen wir davon aus, dass unser Sehen selbstverständlich funktioniert. Erst wenn es zu Beeinträchtigungen kommt, beschäftigen wir uns damit. Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Stabsichtigkeit (Hornhautverkrümmung) sind nicht etwas Gegebenes, sondern etwas Gewordenes. Wir betrachten sie als Bewältigungsformen grundlegender Konflikte des Menschseins im Spannungsfeld zwischen Angst und Liebe.

Oder das Thema Lesebrille: Warum soll ein Mensch im fortgeschrittenen Alter nicht von scharfer Vielsicht zu milder Einsicht gelangen?

Was Sehen ist und wie Wahrnehmung geschieht, wird in Seh-Beispielen und Übungen deutlich werden.

„Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind,
wir sehen sie wie wir sind.“

aus dem Talmud

 


Achter Vortrag

Wer oder was ist das ICH?

Bevor wir einer Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ näher kommen können, fragen wir uns erst einmal wer oder was ein ICH überhaupt ist? ICH ist ein Wort, das wir häufig verwenden. Doch niemand hat uns erklärt, was es bedeutet. ICH, das Zentrum unserer Daseins-Wahrnehmung, ist einer besonderen Betrachtung wert.

„Der Mensch wird zu dem Ich,
dessen Du wir ihm sind.“

Georg Feuser

Das eigene ICH scheint uns als Mensch das Selbstverständlichste von der Welt, obwohl es sich ständig wandelt. In seiner ICH-Empfindung will der Mensch sich als selbstbestimmtes Individuum erleben.

meine Kinder, meine Karriere, mein Leben

Es kann kaum Zweifel daran bestehen, dass wir in einer dysbalancierten, egolastigen, ja, narzisstischen Gesellschaft leben.
Doch wie kann die Balance gelingen? Und: sind wir in der Lage das auch für uns selbst zu reflektieren? Das ICH eines Menschen will nicht infrage gestellt werden. Das Differenzieren in Ego und Selbst und das Aufzeigen von deren gegensätzlichen Eigenschaften macht ein Hinschauen möglich.

Bewusstein – Bewusstheit

„Wer oder was ist das ICH?“ ist eine radikale, das heißt an die Wurzel gehende Ausformung der Frage nach dem Sinn des Lebens. Wollen wir zur Liebe gelangen, werden wir uns mit unseren tiefen Ängsten und unseren Projektionen auseinandersetzen müssen, was wir natürlich gerne scheuen. Ein Mutmach-Vortrag.

„Mensch, werde wesentlich!“

Angelus Silesius

 


Neunter Vortrag

Gift und Grenze
- Wege zum Selbst

Wenn wir als Menschenseele in die Welt inkarnieren, bedeutet das nicht nur liebevolle Zuwendung, Geborgenheit, Wertschätzung und freie Seins-Entfaltung, sondern wir treffen auf Materie, Raum und Zeit, Getrenntheit, Unbewusstheit, Unkontakt, Egoismus, vermeintliche Liebe, familiäre Verstrickungen, kulturelle Gegebenheiten und fragwürdige Traditionen. Der werdende Organismus wächst förmlich in diese Schwingungen hinein. Er nimmt alles in sich auf, bevor er hier eine Grenze, eine Abgrenzung seiner selbst – zum Beispiel in Form eines gesunden Selbstwertgefühls – entwickeln konnte, was ihn weiteren ich-syntonen „Vergiftungen“ aussetzt. Zugleich ist genau das der persönliche Weg, der uns mit seinen keinesfalls zufälligen Belastungen zu Einsichten und Erkenntnissen führt.

Vor einem Vergiftetsein
kann man nicht weglaufen.
Um freizukommen, muss man
sich dem Gift zuwenden.

So werden wir einige sprachliche Begriffe in einem anderen Licht sehen: Scham, Schuld, Sühne, Strafe, Zweifel, Segen, Gnade, Vergebung, Trauer, Trost.

Was ist eigentlich Affenliebe?

Dieser Vortrag vertieft die Frage „Wer bin ich?“ Er zeigt das Wesen einer uns alle betreffenden, mehrstufigen, bisher nicht beschriebenen, existenziell bedeutsamen und folgenreichen Psychodynamik auf.

„Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir unzulänglich sind.
Unsere tiefste Angst ist, dass wir
über alle Maßen kraftvoll sind.“

Marianne Williamson

 


Zehnter Vortrag

Ordnungen der Liebe
- was in der Tiefe wirkt

Wir schauen in Themen und „Ordnungen“ hinein, mit denen alle Menschen verbunden sind, jeder auf seine individuelle Art und Weise. Jeder Mensch ist Kind seiner Eltern. Jeder Mensch ist Teil einer ununterbrochenen Ahnenreihe. Jeder Mensch ist eingebunden in den Ausgleich von Geben und Nehmen. Jeder Mensch trägt nicht nur ein Einzelschicksal in sich, sondern ist auch Teil eines übergeordneten, größeren Ganzen, woraus sich eine tiefe Kraft schöpfen lässt.

Ordnungen der Liebe und des Lebens werden nicht gemacht. Unabhängig von unseren Wünschen und Ängsten bestehen sie als seelische Gesetzmäßigkeiten, die sich auf unser Leben, unser Glück, unsere Gesundheit und unseren Seelenfrieden auswirken. Sie zeigen sich durch die Folgen, je nachdem ob wir mit ihnen oder gegen sie leben. Was in einem tiefen Sinne in Unordnung war, kann wieder in die Ordnung gebracht werden.

Phänomen „wissendes Feld“

Eine solche Arbeit kann nicht beispielhaft oder unverbindlich demonstriert werden, sondern bedarf eines ernsthaften und authentischen Vollzugs. Deswegen ist dieser Vortrag ein Mini-Workshop. Die Teilnehmer betreten das so genannte „wissende Feld“ – die Überwindung der aller Wissenschaft zugrunde liegenden Subjekt-Objekt-Spaltung.
Obwohl diese Arbeit als Methode bezeichnet wird, ist es doch eher eine Haltung, die Therapeut und Klient einnehmen. Sie anzuwenden geht mit einer großen Verantwortung einher.

„Was wirklich ist, ist unbeschreiblich,
doch wer es sieht, der weiß Bescheid.“

Bert Hellinger

 


Elfter Vortrag

Das Männliche und das Weibliche
- Abenteuer Polarität

Die Polarität des universellen männlichen Prinzips (Sein, Geist, Yang) und des universellen weiblichen Prinzips (Erscheinung, Materie, Yin) ist auch für unser Menschsein als Mann und als Frau von Interesse. Nicht zuletzt wegen der biologischen Gegebenheiten. Sich den Herausforderungen des Mann-Seins und des Frau-Seins zu stellen ist keine Pflicht. Und keinesfalls ist es nur Last. Sondern es ist eine Möglichkeit, zu einer Art von Fülle, Freude, Anerkennung, Sicherheit und Kraft zu gelangen, von der wir vorher (wie wir feststellen werden) oft nicht einmal eine Ahnung gehabt haben.

In der Mann-Frau-Polarität, so wie in jeder Polarität, bedingt ein Pol den jeweils anderen – in gleichzeitiger Gegenseitigkeit.

Das Leben in seiner Gänze und Fülle zu leben, bedeutet auch Konflikt, bedeutet auch gelebtes Dilemma. Es will errungen werden. Es geht darum, dass Männer ihr Männliches und Frauen ihr Weibliches wirklich in Besitz nehmen.

„Und Gott schuf also den Menschen als sein Abbild;
als Mann und Frau schuf er ihn.“

Gen. 1.27

Das Männliche und das Weibliche sind von gleichem Wert und von unterschiedlicher Art. Mann und Frau können sich über ihre Individualität hinaus Gegenüber und Ergänzung sein. Polarität ist die wunderbare, schöpferische Kraft, die dem Leben von Mann und Frau aufregende und fruchtbare Spannung verleiht.

Vernunft und Wahnsinn

Vor diesem Hintergrund werden wir kritisch auf die derzeitige gesellschaftliche Situation schauen. Auch so wichtige Themen wie das Fehlen männlicher Initiation und die weibliche Kraft der Hingabe werden in diesem Vortrag beleuchtet.

 


Zwölfter Vortrag

Vom Möglichen zum Wirklichen
- auf der Schwelle eines neuen Weltbildes

Wir stehen auf der Schwelle eines neuen Weltbildes. Das birgt ungeahnte Möglichkeiten. Bestehende Paradigmen werden überwunden, Inkommensurabilität (Nichtfortsetzbarkeit des Bestehenden) kommt ins Spiel.
Nach kritischen, phänomenologischen, heiteren und erschütternden Betrachtungen wählen wir einen ästhetischen Abschluss. Wir begeben uns auf „eine Reise nach Arkadien“...

... und schauen uns Gemälde des französischen Malers William Adolphe Bouguereau (1825 - 1905) an, der, wie kein Zweiter, die Idealvorstellung eines harmonischen, friedvollen, natur- und gottverbundenen Menschseins bewegend in den Ausdruck zu bringen vermochte. Davon wollen wir uns berühren lassen.

Alle Themen der vorangegangenen Vorträge rauschen noch einmal auf. So schließt sich der Bogen. Wir werden entdecken, dass wir alle nach einem erfüllten und gelassenem Dasein streben, und dass dieses Streben eben nicht nur als Ideal unerreichbar bleiben muss, sondern gelebtes Leben werden kann.

„Denn siehe,
ich bin Mensch geworden unter euch.
Wolltet ihr nicht Gott werden mit mir,
ihr tätet mir Unrecht.“

Meister Eckhart

 


Dreizehnter Vortrag

Der dreizehnte Vortrag

Der dreizehnte Vortrag ist thematisch nicht festgelegt. Er ist vielleicht nicht einmal ein Vortrag. Er ist die mitgedachte Möglichkeit, etwas über den Kreis der Zwölf hinaus zu heben.

Der Bogen der Zwölf ist gespannt. Was will sich nun lösen?

Eins und Alles

 

„[...]
Und umzuschaffen das Geschaffne,
Damit sich‘s nicht zum Starren waffne,
Wirkt ewiges, lebendiges Tun.
Und was nicht war, nun will es werden
Zu reinen Sonnen, farbigen Erden;
In keinem Falle darf es ruhn.

 

Es soll sich regen, schaffend handeln,
Erst sich gestalten, dann verwandeln;
Nur scheinbar steht‘s Momente still.
Das Ewige regt sich fort in allen:
Denn alles muß in Nichts zerfallen,
Wenn es im Sein beharren will.“

Johann Wolfgang von Goethe